Alle drei Monate landet eine neue KI-Studie auf unserem Tisch. Die meisten sind austauschbar. Die Bitkom-Studie Digitalisierung der Wirtschaft 2025 ist eine der wenigen, die wir ernst nehmen, weil sie mit 605 befragten Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden eine belastbare Grundgesamtheit hat und weil sie die entscheidende Zahl nennt, die viele andere Studien umgehen: den Anteil der Betriebe, die KI tatsächlich produktiv einsetzen.
Die drei Zahlen, um die es geht
Aus dem Bitkom-Studienbericht 2025 lassen sich drei Kernzahlen herauslösen:
- 72 % der deutschen Unternehmen sehen KI als wichtig für ihre Zukunftsfähigkeit.
- 15 % nutzen KI tatsächlich produktiv.
- 53 % haben Probleme, ihre Digitalisierung generell zu managen.
Das ist eine Lücke von 57 Prozentpunkten zwischen Erkenntnis und Umsetzung, und genau diese Lücke ist für sächsische Planungsbüros die Chance.
Die detaillierte Studien-PDF zeigt zusätzlich, wie dramatisch die deutsche Wirtschaft ihre eigene Lage einschätzt: 82 % sehen die aktuelle Wirtschaftskrise als Folge zögerlicher Digitalisierung. 73 % glauben, Deutschland verliert Marktanteile durch langsame Digitalisierung. Und 60 % sehen direkte Konkurrenten im Vorteil, die früher investiert haben.
Der Datensatz auf Bitkom Research lässt sich nach Unternehmensgröße und Branche filtern, und zeigt, dass die Unterschiede zwischen den Branchen weit größer sind als zwischen den Betriebsgrößen. Maschinenbau und IT-Dienstleistung sind signifikant weiter als Handwerk oder Einzelhandel. Für Sachsen mit seinem Industrie-Cluster (Maschinenbau in Chemnitz, Halbleiter in Dresden, Automotive-Zulieferer im Vogtland) heißt das: Der regionale Kontext begünstigt einen schnelleren Einstieg.
Was hinter der 15-Prozent-Zahl steckt
"Produktiv einsetzen" ist bei Bitkom sauber definiert: Mindestens ein KI-System läuft im Unternehmen, erfüllt einen Geschäftszweck und wird regelmäßig genutzt. Ein ChatGPT-Account für den Marketing-Praktikanten zählt nicht. Eine WhatsApp-Qualifizierungs-KI, die pro Woche 40 Leads vorqualifiziert, zählt.
Die Presseinformation von Bitkom zum Wettbewerbsvorteil digitaler Unternehmen bringt es auf den Punkt: Der Vorsprung der digitalisierten Unternehmen wächst pro Jahr messbar. Wer heute produktiv KI einsetzt, hat in drei Jahren einen kaum aufholbaren Prozess-Vorsprung. Genau das meinen die 60 %, die angeben, sich schon jetzt abgehängt zu fühlen.
Die begleitende Presseinformation zur langsamen Digitalisierung zeigt außerdem die harte Verschränkung: Wer Digitalisierung nicht managt, wird KI nicht produktiv bekommen. KI setzt saubere Daten, saubere Prozesse und funktionierende Systeme voraus. Die 53 % mit Digitalisierungs-Problemen sind dieselben Betriebe, die beim KI-Einstieg stolpern werden.
Einordnung für sächsische Planungsbüros
Für sächsische Planungsbüros ergibt sich aus diesen Zahlen eine klare Position:
- Sie sind nicht spät dran. 85 % deutscher Planungsbüros sind noch nicht produktiv mit KI. Ein Start in 2026 ist statistisch gesehen ein früher Start.
- Das Fenster ist offen, aber eng. Die 15 % heute werden 2028 vermutlich 35–40 % sein. Wer in diesen zwei Jahren beginnt, landet mit dem Rest im Mittelfeld. Wer 2026 startet, kann sich bis 2028 in die obere Hälfte arbeiten.
- Die Hürden sind nicht technisch. Die Studie zeigt: Tools, Budgets und Förderung sind nicht die Blockade. Die Blockade ist Management der Umsetzung. Und genau das ist die Stelle, an der externe Partner den entscheidenden Unterschied machen.
Zwischen der Erkenntnis, dass KI wichtig ist, und dem produktiven Einsatz liegen in Deutschland 57 Prozentpunkte. Genau diese Lücke ist die Chance.
Sachsen hat dabei einen Standort-Vorteil, der sich aus drei Quellen speist: ein starkes Industrie-Cluster, das auf Prozess-Optimierung getrimmt ist; der EFRE-Digitalisierungszuschuss, dessen Quote an der Betriebsgröße hängt und der seit dem 17. Juli 2026 nur noch in der Stadt Leipzig, im Landkreis Leipzig und im Landkreis Nordsachsen beantragt werden kann; und die räumliche Nähe zu Anbietern wie uns, die mit sächsischen Betrieben die letzten zwei Jahre +15 Projekte umgesetzt haben.
Handlungsempfehlungen: Wie Sie in die oberen 15 % kommen
1. Klein anfangen, konkret werden
Nicht "KI-Strategie für die nächsten fünf Jahre", sondern ein konkreter Anwendungsfall mit messbarem Output. Dokument-Agent für Ausschreibungen, WhatsApp-Qualifizierung, Angebots-KI. Vier bis sechs Wochen, dann läuft das erste System. Der Rest ergibt sich aus den Lerneffekten.
2. Messbaren KPI in den Antrag
Die Bitkom-Studie zeigt: Die erfolgreichen 15 % haben fast alle messbare KPIs definiert. Zeitersparnis, Durchsatz, Qualitätsgewinn. Ohne KPI kein Erfolgsnachweis, und ohne Erfolgsnachweis kein zweites Projekt. Der Bitkom-Leitfaden zu Digitalisierungs-KPIs ist ein guter Startpunkt.
3. Externe Umsetzung mit interner Übergabe
85 % der deutschen Betriebe haben keine dedizierten KI-Teams. Das ist auch nicht nötig. Die erfolgreichen Projekte sind fast alle in Kooperation mit externen KI-Infrastruktur-Partnern umgesetzt, mit dem klaren Anspruch, das System am Ende dem internen Team zu übergeben. Keine monatlichen Lizenz-Abos, keine Dauerberatung.
4. EFRE-Förderung mitplanen
Prüfen Sie zuerst, ob Ihr Standort überhaupt noch im Antragsfenster liegt: Seit dem 17. Juli 2026 nimmt die SAB in der Übergangsregion keine neuen Anträge mehr an, Antragstellung ist nur noch in der Stadt Leipzig, im Landkreis Leipzig und im Landkreis Nordsachsen möglich. Danach klären Sie Ihre Quote: bis zu 60 Prozent für Kleinstunternehmen im Heranführungsvorhaben, bis zu 50 Prozent für Kleinst- und kleine Unternehmen im Transformationsvorhaben, bis zu 35 Prozent für mittlere Unternehmen. Die Höchstbeträge von 10.000, 60.000 und 100.000 Euro begrenzen die zuwendungsfähigen Ausgaben, nicht den Zuschuss. Der Antrag dauert 8 bis 12 Wochen, läuft aber parallel zum Projekt-Kick-off. Nicht nachträglich beantragen. Das geht nicht.
5. Erst Prozess-Check, dann KI
Die Studie zeigt: Die 53 % mit Digitalisierungs-Problemen sind die 85 %, die beim KI-Einstieg stolpern. Ein kurzer Prozess-Check vor dem KI-Projekt verhindert, dass die KI auf schmutzigen Daten aufsetzt. In unseren Projekten ist das der erste Block der Roadmap.
Unser Take
Wir haben in den letzten zwei Jahren +15 KI-Projekte in sächsischen Planungsbüros umgesetzt, und die Bitkom-Zahlen decken sich mit unserer Projekt-Erfahrung: Die Technik ist nicht das Problem, die Umsetzung ist das Problem. Betriebe, die mit einem klaren Erstprojekt starten, sind nach sechs Monaten produktiv. Betriebe, die eine "KI-Strategie" schreiben lassen, sind nach sechs Monaten immer noch beim Konzept.
Das Fenster für sächsische Planungsbüros ist offen, aber es schließt sich. Die 15 % von heute sind die 40 % von 2028. Wer jetzt startet, ist in zwei Jahren Teil des oberen Drittels. Wer 2028 startet, ist abgehängt.
◆Häufige Fragen
Nur 15 Prozent setzen KI produktiv ein, bei gleichzeitig 72 Prozent, die KI als wichtig für die Zukunft sehen. Die Lücke von 57 Prozentpunkten ist die Chance.
Stand: April 2026. Die Bitkom-Erhebung wird jährlich aktualisiert. Die hier zitierten Zahlen stammen aus dem Studienbericht Digitalisierung der Wirtschaft 2025.
