Perspektive · 15. September 2026 · 4 min

29 Prozent nutzen KI, 54 Prozent scheitern an den eigenen Daten. Was die Kammerzahlen wirklich sagen

Die Bundesarchitektenkammer hat über 15.000 Mitglieder befragt. Die Zahlen erklären, warum KI im Planungsbüro selten an der Technik scheitert: und warum ein Büro mit acht Leuten das nicht nebenbei löst.

Von PhoenixOne TeamSitz Leipzig · Sachsen
Eine weite Glasfläche mit einer Kupferlinie, die zum Horizont läuft, am vorderen Rand eine kleine Recheneinheit
Eine Einordnung, keine Prognose. Wohin sich eine Entwicklung bewegt und was das für einen Betrieb wie Ihren bedeutet.

Es gibt zu diesem Thema viele Studien, und die meisten stammen von Unternehmen, die etwas verkaufen wollen. Die folgenden nicht. Sie kommen von den Kammern selbst, und das macht sie unbequemer und brauchbarer zugleich.

Was die Kammern gemessen haben

Die Bundesarchitektenkammer hat 2025 über 15.000 Mitglieder befragt. Drei Zahlen daraus:

  • 29 Prozent nutzen KI-Werkzeuge im Büroalltag, meist noch in der Erprobung.
  • 90 Prozent der Nutzenden sehen Schwierigkeiten.
  • Größtes Problemfeld mit 54 Prozent: der „fehlende Zugang zu verlässlichen und umfassenden Datensätzen".

Und ein vierter Punkt, der selten zitiert wird: Rund die Hälfte nennt die hohe Abhängigkeit von Software-Unternehmen als Risiko.

Das ist eine bemerkenswerte Reihe. Nicht die Technik ist das Problem und nicht die Skepsis. Es sind die eigenen Daten, und es ist die Sorge, sich erneut zu binden.

Die Verschiebung, die kaum jemand bemerkt hat

Stellt man die Zahlen nebeneinander, fällt etwas auf:

Anteil
KI-Werkzeuge im Einsatz29 %
BIM im Einsatz oder in Einführung28 %
BIM, Büros unter zehn Beschäftigten13 %
Gemeinsame Datenumgebung (CDE)16 %
CAD-Austausch per PDF65 %

Die KI-Nutzung hat die BIM-Nutzung überholt. In derselben Berufsgruppe, nach fünfzehn Jahren BIM-Debatte.

Der Grund ist kein technischer. KI funktioniert ohne Prozessumstellung, ohne Mitwirkung des Auftraggebers und ohne Investition in eine gemeinsame Datenumgebung. BIM setzt alles drei voraus. Und 59 Prozent der Ingenieurbüros wurden noch nie von einem öffentlichen Auftraggeber zu BIM aufgefordert, 79 Prozent nie von einem privaten.

Wer daraus schließt, der Markt sei spät dran, liest es falsch herum. Sieben von zehn Büros haben noch nicht angefangen. Das ist kein Nachzüglermarkt, das ist ein früher Markt.

Warum Digitalisierung als Argument nicht zieht

In der Mitgliederbefragung von AHO, BAK, VBI und BIngK wurden 2.452 Büros nach den Einflussfaktoren auf ihre wirtschaftliche Lage gefragt. Vierzehn Faktoren standen zur Auswahl. Das Ergebnis für die Digitalisierung:

3,1 Prozent sehen einen starken Einfluss. 47,2 Prozent sehen gar keinen. Der letzte Platz von vierzehn.

In den offenen Nennungen dominiert dagegen etwas anderes: Bürokratie mit 46 Prozent aller Nennungen. Wörtlich genannt wird, dass die Bereitstellung notwendiger Unterlagen mit großen Aufwänden verbunden sei.

Für uns ist das eine unbequeme Nachricht und eine nützliche. Wer mit „Digitalisierung" oder „BIM" in ein Büro geht, spricht über ein Thema, das fast die Hälfte für wirtschaftlich bedeutungslos hält. Wer über Unterlagen, Nachweise, Fristen und Suchzeit spricht, ist beim Thema Nummer eins.

Warum die Größe den Unterschied macht

Die aufschlussreichste Zahl ist diese:

KI-Nutzung, Büros unter 5 Personen 19 % KI-Nutzung, Büros ab 50 Personen 67 %

Der Abstand ist zu groß, um mit Einstellung erklärt zu werden. Er ist eine Frage der Kapazität. Ein Büro mit fünfzig Leuten hat jemanden, der sich einarbeiten kann. Ein Büro mit acht hat das nicht, und die Person, die es könnte, ist dieselbe, die die Projekte trägt.

Dazu kommt die Altersstruktur: Das Durchschnittsalter der selbstständigen Kammermitglieder liegt bei 55 Jahren, 30 Prozent sind über 60. In der Softwarekosten-Befragung sind 42 Prozent der Selbstständigen 60 oder älter und nur 7 Prozent unter 40.

Das ist kein Argument dafür, dass diese Büros es nicht wollen. Es ist eines dafür, dass sie es nicht nebenbei tun.

Die Kostenfrage, die die Kammer selbst benennt

Noch eine Zahl, weil sie den Punkt mit der Abhängigkeit belegt. Pro-Kopf-Softwarekosten, real, von 2022 auf 2024:

Bezugsmodellreale Veränderung
Kauf−1,4 %
Mischform+9,7 %
Miete und Abo+16,3 %

Bei Büros mit fünf bis neun Mitarbeitenden stiegen die Kosten um 12,7 Prozent, ab 25 Mitarbeitenden um 17,0 Prozent. Und die Kammer schreibt es in ihrer Pressemitteilung selbst:

„Gleichzeitig belasten steigende Softwarekosten, insbesondere durch verpflichtende Cloud- und Abo-Modelle, die Büros erheblich."

Das ist kein Anbieter, der über Wettbewerber redet. Das ist eine Bundeskammer über den Markt, in dem ihre Mitglieder einkaufen.

Was wir daraus machen

Drei Dinge, und alle drei folgen direkt aus den Zahlen.

Erstens: an den Daten anfangen, nicht am Werkzeug. Wenn 54 Prozent am fehlenden Zugang zu verlässlichen Datensätzen scheitern, ist das der erste Schritt: die eigene Ablage lesbar machen, Scans mit Texterkennung versehen, Rechte aus dem vorhandenen Verzeichnisdienst übernehmen. Ohne das wirkt kein Modell.

Zweitens: nichts ersetzen. Ihre Programme bleiben, wie sie sind. Was danebensteht, ist eine Schicht über Ihren eigenen Unterlagen, die mit Quelle antwortet. Sie kollidiert mit keinem CAD-, Berechnungs- oder AVA-Programm, weil sie keines ablöst.

Drittens: die Abhängigkeit nicht wiederholen. Wenn die Hälfte der Befragten die Bindung an Softwarehäuser als Risiko nennt, wäre es absurd, die nächste Bindung zu verkaufen. Deshalb: offene Modelle, auf Wunsch ein Server im eigenen Haus, und alles Entwickelte gehört Ihnen ab Tag eins.

Ob sich das rechnet, sagt keine Studie, sondern Ihr eigenes Büro. Deshalb steht am Anfang ein Audit über fünfzehn Arbeitstage mit festem Enddatum: ein echtes Projekt von der Anfrage bis zur Rechnung, Programm für Programm, und die Suchzeit gemessen mit Ihren Stundensätzen.

Über die Autoren

PhoenixOne Team

Wir entwickeln KI-Infrastruktur für Planungsbüros. Seit zwei Jahren, mit über fünfzehn produktiven Systemen im Einsatz, von Dokument-Agenten im Bauhandwerk bis zu vollständigen AI-OS-Setups in der Industrie. Alle Projekte mit Festpreis, Team-Übergabe und EFRE-Förderung beantragt.

Unsere Artikel schreiben wir aus der Projekt-Praxis: mit gemessenen Zahlen, ohne Hype-Vokabeln. Keine einzelnen Autoren, sondern das gesamte Team als Quelle: Projektleiter, Entwickler, Förder-Spezialisten.

Sitz Leipzig · Projekte bundesweit·+15 Projekte live im Betrieb·Gegründet 2024

◆Fachwörter in diesem beitrag

◆Thema im Überblick

KI im Architektur- und Ingenieurbüro

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