Was gemessen wurde
Die Erhebung ist repräsentativ angelegt und umfasst 604 Unternehmen ab 20 Beschäftigten. Die Kernwerte:
- 41 Prozent setzen KI aktiv ein. Im Vorjahr waren es 17 Prozent.
- 48 Prozent planen den Einsatz oder diskutieren ihn.
- 77 Prozent berichten eine verbesserte Wettbewerbsposition.
- 52 Prozent sehen einen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg.
- 45 Prozent haben interne Abläufe deutlich beschleunigt.
- 66 Prozent wollen den Einsatz ausbauen.
Rechnet man Einsatz und Planung zusammen, bleibt ein sehr schmaler Rest, der sich mit dem Thema gar nicht beschäftigt. Das ist neu. Vor zwei Jahren war die abwartende Haltung noch die Mehrheitsposition in deutschen Planungsbüros.
Was die Zahl für ein Planungsbüro bedeutet
Branchenzahlen mitteln über Betriebe, die mit Planungsbüros wenig zu tun haben. Für Ihre Einordnung zählt eine andere Größe: Der Digitalisierungs- grad in Architektur- und Ingenieurbüros liegt deutlich unter dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft, und die häufigste genannte Hürde ist nicht Geld, sondern der fehlende Zugang zu verlässlichen Daten aus dem eigenen Haus.
Das ist die gute Nachricht in einer schlechten Statistik: Wer den eigenen Bestand erschließt, holt einen Rückstand auf, den fast alle haben.
Die Zahl, über die kaum jemand spricht
41 Prozent setzen ein. 21 Prozent haben eine Strategie. Zwischen diesen beiden Werten liegt die Hälfte aller anwendenden Unternehmen.
Das ist kein Vorwurf, sondern eine Beschreibung der Einstiegsmechanik. Ein Zugang zu einem Sprachmodell ist in wenigen Minuten eingerichtet. Eine Abteilung probiert etwas aus, es spart tatsächlich Zeit, es spricht sich herum. Niemand hat dazu je einen Beschluss gefasst, und genau deshalb hat auch niemand festgelegt, welche Daten dort hineingehören, wer die Ergebnisse prüft und woran man merkt, ob es sich rechnet.
In unseren Audits ist das der häufigste Befund überhaupt: Es gibt mehr KI im Haus, als die Geschäftsführung weiß. Meist verteilt auf einzelne Personen, einzelne Zugänge, einzelne Textbausteine in privaten Ordnern. Wenn diese Personen gehen, geht das Wissen mit.
Eine Strategie muss dabei kein Papier sein. Sie besteht aus vier Antworten: Welche Aufgabe soll besser werden, welche Daten braucht das, wer im Haus ist dafür zuständig, und woran messen wir, ob es funktioniert hat. Wer diese vier Antworten hat, gehört zu den 21 Prozent, auch ohne Dokument mit Deckblatt.
Warum ein Drittel teurer wurde als geplant
33 Prozent berichten höhere Kosten als erwartet. Das ist die ehrlichste Zahl der ganzen Erhebung, und sie hat einen nüchternen Grund.
Kosten überraschen dort, wo es keinen Ausgangswert gibt. Wenn niemand vorher gemessen hat, wie viele Stunden pro Woche in Angebotserstellung, Protokolle, Rechnungsprüfung oder Nachfragen fließen, dann existiert auch kein Maßstab, an dem sich Aufwand und Nutzen später vergleichen lassen. Das Vorhaben läuft, es wird aufwendiger, und die einzige verfügbare Größe ist die Rechnung.
Dazu kommen drei Posten, die in fast keiner ersten Planung stehen:
- Datenaufbereitung. Dokumente liegen in Ordnerstrukturen, die über Jahre gewachsen sind, mit Dateinamen, die nur ihr Urheber versteht. Bevor ein System darüber suchen kann, muss das geordnet werden.
- Rechteklärung. Wer darf welche Unterlagen sehen. Diese Frage ist in vielen Betrieben nie schriftlich beantwortet worden, weil sie sich im Alltag über Zuruf regelt.
- Einarbeitung und Betrieb. Ein System, das niemand pflegt, verliert innerhalb weniger Monate an Genauigkeit, weil die Ablage weiterwächst und niemand nachzieht.
Unsere Erfahrung aus über 15 Projekten: Die Technik ist selten der aufwendige Teil. Aufwendig wird, was vorher niemand geordnet hat. Deshalb beginnt bei uns jedes Vorhaben mit einer Messung des Ist-Zustands, auch wenn das der unbeliebteste Schritt ist. Ohne Startwert gibt es später keinen Nachweis, nur Meinungen.
Die 19 Prozent, die man nicht wegdiskutieren sollte
19 Prozent der befragten Unternehmen haben wegen KI Stellen abgebaut.
Diese Zahl wird in der Branche gern übergangen oder in eine Fußnote geschoben. Wir halten das für falsch. Ein Fünftel ist weder Randerscheinung noch Automatismus, aber es ist real, und wer darüber nicht spricht, verliert die Belegschaft im ersten Gespräch.
Was wir in unseren eigenen Projekten sehen, sieht anders aus, und wir schreiben das ausdrücklich als Beobachtung, nicht als Gesetz: Zuerst fallen Überstunden weg. Dann werden Aufgaben wieder erledigt, die aus Zeitmangel liegengeblieben waren, etwa konsequentes Nachfassen bei Angeboten oder eine gepflegte Dokumentation. Danach werden Aufträge wieder angenommen, die vorher an der Kapazität gescheitert sind. In Betrieben, die ohnehin keine Fachkräfte finden, ist das der übliche Verlauf.
Welcher der beiden Wege eingeschlagen wird, ist eine Entscheidung der Geschäftsführung und keine Eigenschaft der Technik. Wer mit einer Sparvorgabe startet, kommt bei Stellenabbau heraus. Wer mit einer Wachstumsvorgabe startet, kommt bei mehr Durchsatz heraus. Dasselbe System, zwei Ergebnisse.
Kompetenz ist die Hürde, nicht das Modell
53 Prozent nennen fehlende KI-Kompetenz im Team als größte Hürde. Damit liegt der Mensch deutlich vor allen technischen Gründen.
Das deckt sich mit dem, was wir in Betrieben antreffen. Die Modelle sind seit über einem Jahr gut genug für den überwiegenden Teil der Büroarbeit. Woran es hakt, ist nicht Rechenleistung, sondern dass niemand im Haus die Aufgabe hat, den Einsatz zu betreuen. Zuständigkeit ohne Zeitbudget ist keine Zuständigkeit.
Was in unseren Projekten funktioniert, ist unspektakulär: eine benannte Person, ein fester Termin pro Woche, ein einziger Ablauf, der wirklich zu Ende umgesetzt wird. Kein Grundlagenkurs für alle, keine Werkzeugsammlung. Kompetenz entsteht an einer konkreten Aufgabe, die vorher weh getan hat.
Für Weiterbildung gibt es Wege über die Bundesagentur für Arbeit, die je nach Betriebsgröße sehr weit tragen. Für Investitionen in die Digitalisierung greift in Sachsen der EFRE-Digitalisierungszuschuss, bei kleinen Unternehmen bis zu 50 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben, bei mittleren bis zu 35 Prozent. Wichtig zum Stand September 2026: Die Sächsische Aufbaubank nimmt in der Übergangsregion seit dem 17. Juli 2026 keine neuen Anträge mehr an. In der Stadt Leipzig, im Landkreis Leipzig und in Nordsachsen ist die Antragstellung weiterhin möglich.
Was wir aus den Zahlen ablesen
Drei Schlüsse, die wir für tragfähig halten.
Erstens: Die Diskussion, ob KI kommt, ist beendet. Bei 41 Prozent Einsatz und 48 Prozent in Planung ist Abwarten keine neutrale Position mehr, sondern eine aktive Entscheidung gegen den Marktdurchschnitt.
Zweitens: Der Unterschied liegt nicht mehr im Zugang, sondern in der Ordnung. Werkzeuge hat inzwischen jeder. Den Unterschied macht, ob Ihre Dokumente auffindbar sind, ob Zuständigkeiten geklärt sind und ob jemand misst. Das erklärt auch, warum 77 Prozent eine bessere Wettbewerbsposition berichten, aber nur 52 Prozent einen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg. Gefühlte Verbesserung ist verbreiteter als belegte.
Drittens: 66 Prozent wollen ausbauen. Das heißt, die zweite Welle wird nicht aus Neugier gespeist, sondern aus Erfahrung. Diese Betriebe wissen inzwischen, was bei ihnen nicht funktioniert hat. Sie werden genauer fragen, und sie werden Nachweise verlangen statt Vorführungen.
Wenn Sie heute anfangen wollen, ist der erste Schritt nicht die Auswahl eines Systems. Der erste Schritt ist eine Woche, in der Sie aufschreiben, wo die Zeit in Ihrem Haus tatsächlich hingeht. Danach ist die Frage nach dem passenden Werkzeug erstaunlich einfach zu beantworten. Und die 33 Prozent, die von unerwarteten Kosten berichten, sind für Sie keine Gefahr mehr, sondern eine Rechnung, die Sie führen können.
Stand: September 2026. Die Zahlen stammen aus der Bitkom-Studie 2026, Zusammenfassung. Die Einordnung dazwischen ist unsere eigene und beruht auf Beobachtungen aus unseren Projekten.
